2.500 Jahre alte Tattoo-Kunst

Tattoos, so komplex und abstrakt wie die heutigen, modernen Designs, fand man auf dem Körper einer sibirischen Prinzessin, die nun nach über 2.500 Jahren aus ihrem Dauerfrostgrab befreit wurde. Die Überreste Prinzessin Ukoks wurden hoch in den Bergen nahe der russischen Grenze zur Mongolei und China gefunden und es ist faszinierend zu sehen, wie wenig sich in den vergangenen zwei Jahrtausenden verändert hat.

Tätowierungen mythischer Figuren und komplex-abstrakter Muster so glaubt man, waren Statuszeichen des alten Nomadenvolks der Pazyryker, das zum ersten Mal im 5. Jahrhundert v. Chr. in Berichten des griechischen Historikers Herodotus auftaucht.

Die Funde

Ein auffälliges Tattoo eines Hirschs mit dem Schnabel eines Greifvogels und dem Geweih eines Steinbocks wurde auf der linken Schulter der historischen Prinzessin gefunden, die ungefähr im Alter von 25 Jahren verstarb. Weitere Verzierungen, die man fand:

  • Köpfe von Greifvögeln auf dem Geweih
  • ein Greifkopf auf dem Rücken des Tieres
  • ein Hirschkopf mit großen Hörnern am Handgelenk

Bei der „Prinzessin“ fand man sechs gesattelte und gezügelte Pferde, Bronze- und Gold-Anhänger sowie ein kleines Kästchen mit Cannabis. Sie ist eigentlich, wie der Name, den man ihr gab, angibt, keine Prinzessin. Die Forscher, die sie fanden, nehmen an, dass sie eher eine Dichterin, Heilerin oder Priesterin war.

Zwei Krieger, die an derselben Grabungsstätte auf dem Ukok-Plateau gefunden wurden, sind mit Tätowierungen ähnlicher Fantasiegeschöpfe bedeckt. Einer trägt ein Bild, das von der Brust über die rechte Schulter bis auf den Rücken reicht. Die Tätowierungen der Pazyryk-Nomaden sollten dazu dienen, es Mitgliedern des Stammes zu erleichtern, sich in ihrem Leben nach dem Tod wieder zu erkennen.

Linke Schulter Startpunkt aller Tattoo-Kunst

Eine Gemeinsamkeit, die man bei allen Mumien fand, die nur eine Tätowierung haben: alle trugen sie auf der linken Schulter. Und auch heute noch ist dies die beliebteste Körperstelle für das erste Tattoo. Die einfachste Erklärung hierfür ist, dass es mit dem Körperbau zu tun hat und der Art und Weise wie, Menschen sich bewegen und welchen Arm sie benutzen. Die linke Schulter ist – bei Rechtshändern – am auffälligsten, sagen die Forscher.

Die rekonstruierten Tattoos wurden nun der Öffentlichkeit gezeigt, bevor der Körper der Prinzessin in die Dauerausstellung des Nationalmuseums in Gorno-Altaisk übergeht.

Foto: Traveling the Ukok Plateau von zabaraorg, CC-BY