Farben trotz Tätowiermittelverordnung oft minderwertig bzw. gesundheitsschädlich

Dass Tattoos spätestens seit dem sogenannten „Arschgeweih“ auf dem aufsteigenden Ast sind, zeigt eine Studie, nach der etwa 20 % der 14- bis 34-jährigen Ende 2009 Körperkunst besaßen. Es dürfte schwer werden, jemand aus den ’70 oder ’80 zu finden, der mit 14 tätowiert war. Aktuell ist die Tendenz weiter steigend, da mittlerweile vermehrt neben dem Schwarz auch knallige Farben verarbeitet werden. Doch diese sind laut Untersuchungsämter nicht immer ganz optimal und sogar gesundheitsschädlich.

Dabei gibt es doch eine Tätowiermittelverordnung seit Mai 2009?! Ja, das stimmt, aber es gibt keine Studiokontrollen. Jeder Tätowierer sorgt somit selber für seinen guten Ruf, was dementsprechend über Qualität geht. Kleines Manko der Verordnung: Die Inhaltsstoffe müssen, wie so oft, auch hier aufgelistet sein. Jedoch erkennt man die beinhalteten Farbpigmente nur an Ziffernfolgen, mit denen der Laie in der Regel nicht viel anfangen kann. Das verhält sich quasi wie bei Deo oder Haarspray. Wer sich in der Chemie nicht auskennt, dem ist mit den angeführten Polymeren und Acrylaten nicht geholfen.

Da ein Tattoo aber nicht wie Haarspray wieder aus-/abwaschbar ist, sollte man sich sehr genau informieren. Denn laut der CVUA (Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter) Freiburg und Karlsruhe sind von den 38 getesteten Produkten immerhin 36 mit bedenklichen Stoffen belastet. Dieses Ergebnis stößt aber auf Unverständlichkeit in Tätowiererkreisen. Denn dass angesehene Tätowierer sich auf solche Farben stützen dürften, ist eher unwahrscheinlich. Man will sich ja nicht das eigene Geschäft kaputtmachen. Klar wird es auch in dieser Branche das eine oder andere Schwarze Schaf geben, wie leider überall. Aber freiwillig panschen wird weder der Tätowierer noch der seriöse Farbhersteller, der meist aus der direkten Tattoobranche kommt und diese natürlich fördern will.

Vorteilhaft ist, dass die Weißen Schafe in der Regel zusammenhalten und man in diversen Magazinen über Farbenplagiate etc. (z. B. aus Asien) informieren kann. Aber die Branche sieht auch das Verbraucherschutzministerium in der Pflicht. Infobroschüren, welche Studios besonders zu empfehlen sind, oder aber auch Aushänge in den jeweiligen Studios, dass dieses über unbedenkliche Farben verfügt, wäre ein Anfang. Jedoch sind oft die Kunden sehr sorglos mit dem Umgang ihrer Haut. Leider muss man immer wieder feststellen, dass die erste Frage nicht nach Farbpigmenten, Herkunft der Farbe oder Ähnlichem gefragt wird, sondern klassisch: „Was kostet das?“

Da es ein Körperschmuck für die Ewigkeit ist und die Haut das größte Organ, sollte man mit dieser auch dementsprechend umgehen und die Gesundheit vor das zur Verfügung stehende Geld stellen. Man sollte sich also vorab der Preiskalkulation eingehend mit den verwendeten Farben auseinandersetzen. Wer den Tätowierer dann mit Fragen löchert, kann sehr schnell angesichts seines Verhaltens erkennen, ob er Ahnung von seinen Farben hat, was die Basis für einen Tattoo sein sollte.