Tattoos und Vorurteile – eine Studie und die Reaktion

Eine neue Studie sorgt in der Tattoo-Szene für immense Aufregung. Danach sollen Tattoos und Risikobereitschaft bei partnerschaftlichen Beziehungen, als auch Alkoholgenuss in wechselseitiger Beziehung stehen. 

Objektivität?

Reaktionen auf die Studie gab es sofort nach Veröffentlichung der Ergebnisse, und in erster Linie waren sie von Empörung geprägt. Die Untersuchung des französischen Testunternehmens resultiert in dem Ergebnis, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Tattoos und Alkoholkonsum sowie leichtsinnigem Sexualverhalten bewiesen worden sein soll. Als Basis für diese Studie diente eine repräsentative Umfrage unter Jugendlichen des Landes, die nach abendlichen Barbesuchen nach Tattoos oder Piercings befragt wurden. Anschließend bestimmte ein Alkoholtest ihren Alkoholisierungsgrad. Das Ergebnis: Tätowierte trinken mehr.

Falsche Konklusion

Die von den Wissenschaftlern daraus abgeleitete Konklusion lässt nun verständlicher Weise die Community empört reagieren. Für die meisten Tätowierten ist ein Tattoo mittlerweile kein Symbol mehr, um Rebellion gegen die Eltern oder die Gesellschaft auszudrücken. Vielmehr geht es dabei laut Vertretern der Gesellschaftsgruppe um ein Lebensgefühl, eine besondere Einstellung. Man möchte sich mit einem Tattoo nicht mehr unbedingt abgrenzen. Inzwischen gilt es in der Szene schlicht auch als Schönheitsideal.

Geschichte als Indikator?

Früher einmal, so zeigt es ein Blick in die Vergangenheit, waren Tattoos ein Vorrecht der Rebellierenden, der harten Rockerszene, der sich bewusst abgrenzenden jungen Generation. Viele Heranwachsende in der heutigen Zeit identifizieren sich mit dem permanenten Körperschmuck auf ganz andere Art und reagieren insofern entrüstet auf die Unterstellung. Sie fühlen sich in eine Ecke gestellt und missverstanden.

Und wie wäre es wenn….

Ein Vertreter der Tattoo-Gemeinschaft vergleicht die Studie mit einer Nachfrage der Unterwäschenfarbe aller Barbesucher. Hätten danach möglicherweise alle Gäste mit einer roten Unterhose mehr Alkohol konsumiert als diejenigen mit einer weißen, wären entsprechende Schlüsse daraus ebenso falsch. Genauso dürfe man dann demnach in ihren Augen nicht in seinem eigenen Bett schlafen, weil die meisten Menschen Statistiken zufolge in ihrem eigenen Bett auch sterben.

Die eigentliche Schlussfolgerung:

Die Argument der Tätowierten dürften zwar auch diskutabel sein. Doch anhand der Untersuchung zeigt sich einmal mehr, dass selbst wissenschaftliche Ansprüche teilweise Ressentiments ausgesetzt und Klischees und Vorurteile in der Gesellschaft definitiv noch immer vorhanden sind.

Bild: tatoo von lander 2006, CC-BY